Mehr als nur Hardware – wie EXTRA Computer die Industrie auf dem Weg zur digitalen Zukunft unterstützt

Industrielle IT-Lösungen müssen heute mehr leisten als reine Rechenpower. Sie sollen flexibel, robust und nachhaltig sein und gleichzeitig den wechselnden Anforderungen der Industrie entsprechen. Ein deutscher Hersteller, der diese Entwicklung mitgestaltet, ist die EXTRA Computer GmbH. Diese baut maßgeschneiderte IT-Systeme und Komplettlösungen – von PCs über Server bis hin zur Industriehardware. Zum Einsatz kommen die Systeme unter anderem in Produktionsstraßen großer Automobilhersteller und in der Logistik. Auf der Automatisierungsmesse SPS 2025 in Nürnberg hat Frank Bollen, Leiter Brand & Concepts im Marketing der Thomas-Krenn AG, über den Wandel industrieller IT und momentane Herausforderungen gesprochen.

Die Industrie befindet sich mitten in einer Phase rasanter Digitalisierung. Welche Rolle möchten Sie mit Ihren Hardwarelösungen in diesem Wandel einnehmen?

Frank Bollen: Wir als EXTRA Computer stellen IT-Hardware für die produzierende Industrie her. Unser Motherboard, also die Hauptplatine, die alle Computerteile miteinander verbindet, und viele der Komponenten sind in Deutschland produziert. Das ist unsere zentrale Rolle: Hardwareherstellung in Deutschland.

Ihre Industrie-PCs und Lösungen für dezentrale Datenverarbeitung gelten als sehr robust. Was genau bedeutet das?

Frank Bollen: Robustheit heißt Hochverfügbarkeit und 24/7-Laufzeit. Robustheit heißt auch, dass wir einen guten und schnellen Service mit kurzen Lieferzeiten bieten können. Die Geräte selbst, auch ohne internen Lüfter, haben zusätzlich keine Staubaffinität. Es geht also gar nicht unbedingt um Robustheit in dem Sinn, dass ein Gerät herunterfallen kann, sondern darum, dass es in einem industriellen Betrieb generelle Sicherheit bieten kann.

Wenn Robustheit ein so zentraler Faktor ist, spielt natürlich auch Sicherheit eine Rolle. Wie adressieren Sie das Thema Cyber Security?

Frank Bollen: Security fängt schon in der Produktionskette an. In einem gelöteten Motherboard könnten gefährliche Programme in kleinen Chipkomponenten integriert sein. Deshalb haben wir unsere Geräte mit Motherboards aus Deutschland bestückt. Das gibt einfach die Sicherheit, dass in der Lieferkette nichts eingebaut werden kann, was beim Kunden zu Unsicherheiten führt. Damit ist die Sicherheit allein schon bei der Hardware gegeben. Wir nutzen oftmals ein linuxbasiertes Betriebssystem aus Deutschland. Unser Betriebssystem ist zentralisiert aufgebaut, das heißt: Der Hauptbestandteil der Software wird nicht lokal auf dem Endgerät installiert, sondern zentral bereitgestellt. Software und Daten werden an einem zentralen Ort gebündelt, was ein deutlich höheres Sicherheitsniveau ermöglicht. Gleichzeitig reduziert dieses Konzept die Anforderungen an die Endgeräte, da pro Device weniger Rechenleistung benötigt wird. Das Resultat sind eine effizientere Verwaltung, höhere Sicherheitsstandards und längere Lebenszyklen der Hardware.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Hardwareproduktion?

Frank Bollen: Nachhaltigkeit ergibt sich schon allein in den Transportwegen. Aus Augsburg nach Sachsenhausen zu transportieren, braucht weniger Ressourcen. Zudem sind unsere Verpackungen zu mindestens 80 % aus recyceltem Material. Oft ist es auch so, dass man an einem alten Gerät einfach nur einzelne Komponenten austauschen muss und die Grundkomponenten bestehen bleiben.

Nachdem Sie auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit eingegangen sind, interessiert natürlich auch die Produktlandschaft: Wie unterscheiden sich Ihre Produktlinien Calmo und Pokini voneinander? Für welche Branchen sind sie jeweils optimiert?

Frank Bollen: Die Unterscheidung ist recht simpel, sie liegt im Anwendungsfall. Pokini ist eher im Outdoor-Bereich zu finden, auf Baustellen oder im Lager. Das sind Geräte, die viel mehr Schutz brauchen als unsere Calmo-Geräte, die beispielsweise Einsatz in Fertigungs- und Produktionsumgebungen finden.

Redaktionelle Ergänzung: Während die modular aufgebauten Calmo-Systeme individuelle Lösungen ermöglichen und vollständig in Deutschland gefertigt werden, sind die in Europa produzierten Pokini-Geräte kompakter und robuster, allerdings weniger flexibel.

Inwiefern wirken sich globale Engpässe – insbesondere die anhaltende Speicherkrise – auf die Produktion aus?

Frank Bollen: Wir merken natürlich, was sich gerade in der Preisbildung tut. Vor allem, was RAM-Speicher angeht, also DDR4 und DDR5. Aber durch unsere Ausrichtung haben wir sehr viele Komponenten auf Lager. Damit sind wir flexibel, selbstverständlich nicht komplett krisenbefreit. Dennoch ist unsere Situation gut und wir können liefern.

Ein Blick in die Zukunft zeigt: Die Anforderungen an industrielle Computer verändern sich. Während Rechenleistung zunehmend auf zentrale Server ausgelagert wird und Endgeräte dadurch kompakter werden, steigt gleichzeitig der Bedarf an leistungsstarken Systemen für Grafikanwendungen und künstliche Intelligenz. Die industrielle Computertechnik entwickelt sich damit zunehmend in zwei Richtungen: hin zu kleineren, effizienteren Geräten und besonders leistungsfähigen Lösungen.